Quelle: Landeszeitung für die Lüneburger Heide vom 20.Mai 1997

Ford-Fans
drehen auf

bol Lüneburg. Rund 1500 Ford-Freunde sind am Pfingstwochenende der Einladung des Ford Clubs Lüneburg zum internationalen Treffen in Wendisch Evern gefolgt. Mehr als 750 Fahrzeuge waren auf der 44 000 Quadratmeter großen Wiese zu sehen - und zu hören: Bewertet wurden nämlich nicht nur die schönsten Autos, sondern auch die eindrucksvollsten Musikanlagen.

Stolz zeigt Patrick Schellekens aus dem belgischen Antwerpen die Musikanlage in seinem Ford Escort. Foto: ta

750 aufgemotzte Wagen bei Ford-Treffen

Autoradio brüllt
wie ein Düsenjet

bot Lüneburg. Mit einem Grinsen - breit wie die Reifen seines Gefährts - nimmt Patrick Schellekens im roten Ledersitz hinter dem Sportlenkrad Platz. Mach doch mal an", hatte ein staunender Besucher vorgeschlagen. Der 34jährige läßt sich nicht lange bitten: Geh mal lieber einen Schritt zurück", warnt er und stellt nicht den Motor an, sondern sein Autoradio. 138 Dezibel - wie ein startender Düsenjet", brüllt der Belgier, der mit seinem Escort aus Antwerpen für drei Tage zum internationalen Treffen nach Wendisch Euern gekommen ist.
Sehen, was andere haben, was man selbst noch machen kann", sagt Josip Masic (22) aus München, der sein Cabrio mit einem Turbolader veredelt hat. Jeder muß ein bißchen anders sein." Was einige Phantasie erfordert, denn die meisten der rund 1500 Ford-Freunde stellen einen Escort zur Schau, legendäre Oldies wie die Taunus Modelle 12 m und 17 m sind rar zwischen den 750 Fahrzeugen.
Fast exotisch wirkt denn auch der Sierra von Salvador Dias (31).
Der Capri im Renn-Look zählte zu den Raritäten beim internationalen Ford-Treffen
Weil er in den Kofferraum eine 25000 Mark teure Beschallung im Plexiglasgehäuse eingebaut hat, braucht er fürs Gepäck einen Zweitwagen". Stolz ist er auch auf den Motor, den er für 15 000 Mark aufgemotzt hat: Der brüllt noch lauter als die Anlage. "Was Ford-Fahrer für die Verfeinerung von Sound und Optik brauchen, wird an den Ständen mit Tuning-Teilen und Zubehör angeboten: Grüne oder gelbe Fahrwerksfedern, Spoiler, für ein Sportlenkrad verzichtet man natürlich auf den Airbag. Die Escort-Turbo-Fahrerin Denise Timm vom gastgebenden Lüneburger Ford-Club ist zufrieden: Ein so großes Treffen hat es im Verband der Escort- und Ford-Clubs noch nicht gegeben."

Die Mitglieder des Ford Racing Clubs aus Köln (l.) drehen mit ihren Cabrios eine Runde auf der Wiese in Wendisch Evern. Eric Simon (r.) aus Grimma bei Leipzig wienert liebevoll seinen Escort XR3i, in den er viel Arbeit und Zeit gesteckt hat. fotos: ta

Quelle: Landeszeitung für die Lüneburger Heide vom 24./25. Mai 1997

Naturschützer kritisieren Termin des Ford-Autotreffens
Rebhuhn Biotop zerstört

nc Wendisch Evern. 1500 Ford-Fans mit 750 heißen Kisten hatten am Pfingstwochenende Spaß auf einer Wiese bei Wendisch Evern - für sie war das internationale Treffen, organisiert vom Ford-Club Lüneburg, eine Riesengaudi. Doch Gretel Schulte, Naturschutzobfrau der Kreisjägerschaft ist im Nachhinein entsetzt. „Ausgerechnet in der Brut- und Setzzeit mußte die Veranstaltung laufen -wer hat das bloß genehmigt ?"
In der Zeit vom 1. April bis 15. Juli ziehen viele Vögel und andere wildlebende Tiere ihren Nachwuchs groß. Gerne tun sie das auf Grünbrache-Flächen wie den rund vier Hektar bei Wendisch Evern, die als Bühne für die PS-Schau herhielten. „Feldlerche und Rebhuhn brüten dort, das haben mir Jäger und Forstleute bestätigt", sagt
Gretel Schulte. Aber in diesem Jahr sei das wohl vorbei, die Autos hätten die Wiese regelrecht durchgepflügt.
"Ich gönne den Leuten ja ihr Vergnügen, aber ein bißchen nachdenken bei der Terminwahl könnten sie aus Rücksicht auf die Natur schon." Rücksicht schreibt der Gesetzgeber während der Brut- und Setzzeit sogar ausdrücklich vor - für Hunde gilt zum Beispiel in Feld und Flur kategorischer Leinenzwang. Halter, die sich nicht dran halten, müssen mit empfindlichen Geldbußen rechnen.
Gerade Ford werbe mit seinem ausgeprägten Umweltbewußtsein - unter dem Motto: Die tun was. „Aber das hier läuft der Imagekampagne diametral entgegen", meint Gretel Schulte, ihren Ärger will sie dem Automobilhersteller nun mitteilen.
Und vom Landkreis Lüneburg als unterer Naturschutzbehörde will sie wissen, ob der Termin des Ford-Treffens bekannt war. „Nein", erklärt auf LZ-Anfrage Michael Wieske, Sprecher des Kreises. Das Ordnungsamt der Samtgemeinde Ostheide habe die Veranstaltung genehmigt - und nach Lokalterminen keinen Anlaß gesehen, die Naturschutzbehörde einzuschalten. „Inzwischen gab es hier bereits einige Anrufe." Wieske stellt jedoch klar: „Nach Lage der Dinge hätten wir die Genehmigung wohl auch erteilt, aber womöglich mit einigen Auflagen."
Gretel Schulte ficht das nicht an. Sie will nicht aufhören, Privatleute und Behörden für das Thema zu sensibilisieren. „Alle reden davon, aber wenn's darauf ankommt, denken viele nicht mehr darüber nach."